Mein Leben (Vorsicht: egozentrischer Eintrag)

Gestern war meine U-Bahn extrem langsam, weil es “auf Grund der Erkrankung eines Fahrgasts in der U-Bahn-Station Erdberg zu Verzögerungen” gekommen ist. (Ich habe schon beide Versionen gehört: Wenn es heißt, dass ein Fahrgast erkrankt ist, hat er sich eigentlich vor die U-Bahn geworfen, bei technischer Defekt ist es tatsächlich ein technischer Defekt oder bei technischem Defekt hat sich einer vor die U-Bahn geworfen und bei Erkrankung ist es tatsächlich nur eine Erkrankung.)

Heute war keine hundert Meter von meiner Arbeitsstelle die Geiselnahme in der Bawag.

Ich will jetzt nicht sagen, dass ich mich aus lauter Frust, dass ich keine Geisel geworden bin, vor die U-Bahn werfen will. Aber es ist doch ein trauriges Leben, wenn man das Leid anderer schildern muss, um etwas zu bloggen zu haben.

VIVA el Schund!

Es ist faszinierend, wie wenig ich meine Geist in letzter Zeit beschäftige. Ich mein, meine Arbeit ist viel, aber nicht geistig herausfordernd. Und in meiner Freizeit bin ich meistens damit beschäftigt, Fernzuschauen oder Schund zu lesen. Was men sehr einfach an den letzten Büchern sieht, die ich gelesen habe:

  • The End (Lemony Snicket)
  • Scar Tissue (Anthony Kiedis)
  • Narcissus in Chains (Laurell K. Hamilton)
  • Eragon (Christopher Paolini)

Als nächstes lese ich Dostojewski. Oder Tolstoi. Oder Mann, Kafka, Shakespeare, Rilke. Und geh in die Oper. Und ins Theater. Und zu einem Kleinfilmfestival. Oder tu sonst was Anspruchvolles.

Der Fernseher wird nur mehr zum DVD-Schauen verwendet und zwar DVDs, die künstlerisch wertvoll sind (Schluss mit American Psycho 2 und ähnlichem).

Der Computer darf nur mehr dafür herhalten, meine eigenen Schriften aufzunehmen und zu recherchieren.

Und dann fällt mir auf, dass mein Leben vielleicht furchtbar produktiv und intellektuell ist, aber auch wahnsinnig langweilig.

Peer pressure

“Such situations are often referred to as incidents of ‘peer pressure’, as ‘peer’ is a word or someone with whom you are associationg and ‘pressure’ is a word for the influence such people often have. If you are a braeman or a braewoman – a term for someone who lives all alone on a hill – then peer pressure is fairly easy to avoid, as you have no peers except for the occasional wild sheep who may wander near your cave and try to pressure you into growinga woolly coat. But if you live among people, whether they are people in your family, in your school, or in your secret organization, then every moment of your life is an incident of peer pressure, and you cannot avoid it any more than a boat at sea can avoid a surrounding storm. If you wake up in the morning at a particular time, when you would rather hide your head under your pillow until you are too hungry to stand it any longer, then you are succumbing to the peer pressure of your warden or morning butler. (…) and if you try to avoid every instance of peer pressure you will end up without any peers whatsoever, (…)”

Aus “The End” von Lemony Snicket

Einsamkeit

“It’s so lonely when you don’t even know yourself

(aus “Knock Me Down”)


Ein traurig-einsamer, aber wahrer Schluss. Denn das sind die Empfindungen, die man hat, wenn man dasteht und von genügend dunklen Kräften übermannt wird, dass man sich fragt: „Scheiße, wer bin ich eigentlich? Was ist los mit mir?“ Ich bin sicher, dass Hillel so endete. Er wusste schon früh in seinem Leben sehr genau, wer er war und was er wollte, und war ein zielstrebiger, hart arbeitender, kreativer Kerl, der das Leben liebte. Doch am Ende hatte er vergessen, wer er war – was ich bei vielen Menschen erlebt habe.”

Aus Scar Tissue, der Autobiografie von Anthony Kiedis

Man ist nie einsamer, als wenn man von sich selbst verlassen wurde.

Anfall

Meine Büroleiterin, ein furchtbarer Hausdrachen, der absolut nichts tut, außer in den verschiedenen Sachen herumzuschnüffeln, hat uns heute eine Liste ausgeteilt, wo die ganze Aufgabenverteilung aufgestellt ist (needless to say: Ihr Teil war natürlich der längste).

Auf jeden Fall waren Teile der Aufgaben für alle:

  • Terminplanung bei Anfall
  • Besprechungszimmerreservierung, -vorbereitung bei Anfall
  • Telefondienst bei Anfall

Soweit ich es mitgekriegt habe, hatte bei uns noch niemand einen Anfall, auch wenn ich manchmal kurz davorstehe. Aber jetzt fürcht ich mich ein bisschen, offensichtlich ist das gar nicht so selten.

Aber wozu braucht man dafür ein Besprechungszimmer? Und werden diese Anfälle tatsächlich geplant?

Schönheit

Es ist doch immer wieder faszinierend, wie sehr fesche bzw. schöne Menschen wirken. Man hält sich selber für nicht oberflächlich, ist überzeugt davon, dass es stimmt und doch wirken irgendwelche Mechanismen, die es schaffen, dass man schönen Menschen viel lieber etwas abkauft/sie gut findet/ihnen hilft/…

Gestern zum Beispiel habe ich TV Total geschaut und Oomph! sind aufgetreten. Nicht mein Fall, dachte ich. Weder von der Musik her, noch vom Stil. Aber dann fiel mein Blick auf den Sänger und der ist – obwohl nicht so hergerichtet, wie ich meine Männer normalerweise mag – sehr fesch. Und gleich hat mir das Lied, das sie gesungen haben, besser gefallen.

dero.jpg

Radio

Ich bin kein großer Radiohörer. Meistens hör ich beim Autofahren, aber nur dann, wenn ich meine CDs vergessen habe. Und wenn keiner mit mir mitfährt, weil ich die meisten Leute wahnsinnig mache, da ich ständig Sender wechsle (immer, wenn sie zu reden beginnen, suche ich einen Sender, wo Musik kommt, immer, wenn es zu rauschen beginnt, schalte ich weiter, immer, wenn ein Lied kommt, dass ich nicht mag, drücke ich auf den Knopf).

Mich mit dem Radio wecken zu lassen, habe ich auch aufgegeben, weil ich einfach seelenruhig weiterschlafe.

Und dann kam das Duschradio. Ein Geschenk von AFS. Mit riesiger Uhr und Hängevorrichtung zum in die Dusche geben und mitträllern. Genial.

Jeden Tag, wenn ich mich des Morgens unter die Dusche schleppe, stell ich das Ding an. Und weil man unter der Dusche sonst relativ wenig zu tun hat, lauscht man halt dem Radio. Meistens komm ich gerade recht zu Schlagzeilen und Wetter und dann ein bisschen Musik.

Nur heute nicht. Heute habe ich verschlafen, war später dran und hatte dadurch nicht nur den Schaden, zu spät zur Arbeit zu kommen, sondern auch noch, mir das blöde Gequatsche anhören zu müssen. Ich finde Geschlechterkämpfe nicht witzig. Ich ärger mich nur über übertrieben fröhliche Morgen-Radioshow-Moderatoren, anstatt mich von ihrer Stimmung anstecken zu lassen. Und diese ganze “Lassen wir die Leute anrufen und spielen blöde Spiele mit ihnen”-Mentalität ist überhaupt das Allerschlimmste.

Heute habe ich 88,6 gehört (nachdem sich das Duschradio keine Sender merkt, beginnt es immer bei 87,8 zu suchen und meistens ist das Erste, was es findet 88,6. Manchmal überspringt es aber auch 88,6 und landet gleich bei Radio Wien). Es war zuerst Musik (keine Ahnung mehr was, typische Radiomusik halt) und dann musste der Moderator reden.

Wieso nur, wieso tun sie das immer?

Dann rief Hans an. Hans wollte wetten. An sich schon schlimm genug, dass jetzt schon das Radio für einen wettet (besonders für jemanden wie mich mit Casino- und Spielhallenphobie und prinzipieller Glücksspiel- und Wettabneigung), aber das war ja noch nicht alles. Gewettet wurde, wer die heutige Kombination gewinnen würde und Hans tippte auf Aksel Lund Svindal.

Ich habe keine Ahnung von Skifahren, weiß also nicht, ob das ein gerechtfertigter Tipp war oder nicht. Ich weiß aber, dass Aksel Lund Svindal aus Norwegen kommt.

Offensichtlich wusste der Moderator das auch. Denn er fragte Hans: “Was, kein Österreicher? Bist du vielleicht ein Vaterlandverräter?”

Ich bin kein großer Radiohörer. Jetzt weiß ich auch wieder, warum.

OOD

Ich glaube, ich leide an einem Obsessive Organising Disorder (wenn’s denn den Fachausdruck gibt…). Ich verbringe ganze Abende damit, Listen zu schreiben, zu ordnen, zu machen, Datenbanken herzustellen und wieder zu verwerfen, Papiere in Ordner einzuräumen und umzuräumen usw.

Ich will gar nicht darauf eingehen, wieviele Ordner ich schon bei mir stehen hab.

Im Moment habe ich Listen für:

  • Filme, die ich gesehen habe (unterteilt in Fernsehen, Kino und DVD); parallel zu meinem Kalender geführt, mit Bewertung
  • Bücher, die ich gelesen habe, ebenfalls parallel zu meinem Kalender geführt, mit Bewertung
  • Lieblingsbücher
  • Bücher, die ich besitze (noch recht unvollständig)
  • Dinge, die ich noch haben will

Ich möchte noch Listen machen für:

  • Lieblingsfilme
  • DVDs, die ich besitze
  • Lieblingslieder
  • CDs, die ich besitze

Und vielleicht fallen mir noch ein paar ein. Irgendwelche Anregungen?