Erste Studiengedanken

Aus “Voraussetzungen und Grundfragen der Literaturwissenschaft – Fiktionalität und Poetizität” von Lutz Rühling

Meinong zufolge gibt es ein “Jenseits von Sein und Nichtsein”, eine Klasse von Gegenständen, die zwar in irgendeiner Weise “bestehen, in keinem Falle aber existieren” (Meinong 1904) und denen damit eine eigene Seinsweise oder “Subsistenz” unabhängig von ihrer Existenz oder Nicht-Existenz zukommt.

In dem ganzen Text geht es darum, wie wahr oder falsch, fiktional oder real Literatur sein kann bzw. was Literatur überhaupt ist. Was Meinong (übrigens ein österreichischer Philosoph, hättet ihr den gekannt?) sagt, finde ich nicht unklug, wobei Rühling wohl zurecht kritisiert, dass er eine metaphysische Ebene in das Ganze bringt, die eigentlich nicht notwendig ist.

Weiters fasst Rühling die Gedankengänge Terence Parsons dazu zusammen:

(…) indem er zwei verschiedene Arten von Prädikaten einführt, “nukleare” und “extranukleare”: ‘Mensch’ oder ‘grün’ sind demzufolge nukleare Prädikate, ‘möglich’, ‘fiktiv’ oder eben ‘existent’ hingegen sind extranukleare Prädikate. Einer fiktiven literarischen Gestalt wie Sherlock Holmes kommt dann dieselbe Art nuklearer Prädikate zu wie existierenden Menschen, aber nicht dieselbe Art extranuklearer Prädikate, da Sherlock Holmes nicht existent ist.

Das Ganze fängt im Grunde viel früher an und geht viel weiter, aber ich werde das jetzt nicht alles posten. Ich werde später mein Exzerpt hier hochladen – wenn es jemanden interessiert, sich noch weiter damit zu befassen.

Es ist aber doch erstaunlich, wieviele Gedanken man sich machen kann, über etwas, das fast allen Menschen klar zu sein scheint: Der Unterschied zwischen Realität und Fiktion.

2 thoughts on “Erste Studiengedanken

  1. Hm.

    Also ich muss gestehen, dass mir die Unterscheidung von Realität und Fiktion manchmal recht schwer fällt, aber diese Auszüge haben mir in dieser Hinsicht nicht wirklich weitergeholfen.
    Meinong ist aber ein cooler Name, irgendwie.

    Was hältst du von dem Artikel, mit dem ich mich gerade befasse? “Chaos Theory and Western Civilisation” von Lawrence Birken.

    “And by regarding the key human characteristic of rationality as the hallmark of occidental culture beginning with Greece, the “Westro-maniacs” have made the story of Western civilisation more or less identical with the chronicle of human development as a whole.”

    Mir geht es wie damals, als ich zum ersten Mal eine Peters-Karte anschauen musste, und nichts Anderes als die Merkator-Karten gewohnt war. … Ein einziger, extrem langer Moment der Verwirrung…und zusätzlich der seltsame Drang, den betreffenden Lehrern ihr Lehrmaterial um die Ohren zu hauen.

  2. Ich kann dir gerne mal den ganzen Artikel kopieren, dann verstehst du vielleicht mehr, was ich meine!

    Ich musste dein Zitat auch zweimal lesen, aber dann ist es eigentlich gegangen. Klingt ja sehr interessant. Ich freu mich schon, wenn ich zu dir fahr und mir das selber anhören darf. :)

    Nur nicht verzweifeln, ja?!

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